Flow für Alle

Das Flow-Konzept von Mihaly Csikszentmihalyi ist im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten entstanden, bei der die Teilnehmer jeweils so involviert waren, sodass sie auf die Tätigkeit voll fokussiert waren. Im Flow ist man auf sein Tun so fokussiert, sodass man um sich herum kaum noch etwas wahrnimmt, außer der Handlung, die man gerade ausführt. Man “kreist” also um eine Sache. Durch eine Erweiterung des Modelles um emotionale Zustände für verschiedene Kombinationen von Anforderungen und Fähigkeiten entsteht ein Flow-Fächer, der für jeden “seinen” Flow bereit hält.

Voraussetzungen

Um Flow-Erfahrungen machen zu können, gibt es nach Csikszentmihalyi eine Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen:

  1. Es muss eine klare Zielsetzung vorhanden sein.
  2. Eine kontinuierliche und unmittelbare Rückmeldung nach dem Flow-Erlebnis ist wichtig.
  3. Die Herausforderungen müssen mit den eigenen Fähigkeiten zu bewältigen sein.
  4. Man muss das Gefühl haben, dass man selbst über den Erfolg entscheidet.
  5. Man muss hoch konzentriert sein.

Entstehung von Flow

Flow entsteht, wenn wir Fähigkeiten einsetzen und herausgefordert werden. Dazu müssen wir uns neuen Herausforderungen öffnen. Um uns zu öffnen, müssen wir selbstbewusst sein, Aufmerksamkeit zeigen und konzentriert sein.

Bei sehr hohen Fähigkeiten sollten die Anforderungen sehr hoch sein, bei weniger ausgeprägten Fähigkeiten sollten die Anforderungen niedriger sein, um in den Flow zu kommen.

Bei dem Flow nach Csikszentmihalyi handelt es sich nicht um eine mathematische Gerade, sondern um einen Kanal, der hier vereinfacht in Form einer Geraden dargestellt wird.

Flow-Gerade

Jenseits des Flows

Man kann jedoch das Modell der Flow-Gerade um emotionale Zustände erweitern. Bei einem Anforderungsgrad, der unseren Fähigkeiten entspricht, erleben wir den Flow. Wenn unsere Fähigkeiten höher sind als die Anforderungen, dann erleben wir, bei sehr geringen Anforderungen, Frustration, was langfristig zu Schmerzen führen kann, bei höheren Anforderungen Langeweile, Entspannung oder Kontrolle.

Sobald die Anforderungen über unseren Fähigkeiten liegen machen sich zunächst Aufregung, zunehmend Sorge und Angst breit. Wenn die Anforderungen aber wesentlich höher sind als unsere Fähigkeiten, erleben wir Gleichgültigkeit. Dieser “Egal Zustand”, den man auch als Apathie bezeichnen kann, kann über einen längeren Zeitraum zu Frustration und Aggression führen.

Flow-Ampel

Wir können nicht dauerhaft im Flow sein, sollten aber oft die Möglichkeit suchen und haben, Herausforderungen mit den eigenen Fähigkeiten in Einklang bringen zu können.

Im Weiteren dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass es ja nicht nur einen Flow-Punkt gibt, sondern die Flow-Gerade. Auf jeder Fähigkeitsstufe kann man mit der dazu entsprechenden Anforderungsstufe in den Flow kommen. Für jeden Punkt auf der Flow Geraden kann man dieselbe Anforderungs- bzw. Fähigkeitsleiter durchlaufen. Diese kann man auch als Flächen darstellen. Dabei zeigt sich dann ein bunter Gefühlsfächer. Die Flow-Gerade wird zu einem Flow-Kanal und die einzelnen Punkte werden zu emotionalen Fächergebieten. Die emotionalen Übergänge werden so fließend.

Flow-Fächer

Flow-Erlebnis

Flow Erfahrung geht einher mit einer Reihe von positiven Gefühlen, welche aus uns selbst kommen wenn wir motiviert und konzentriert sind. Man erfährt:

  • Enthemmtheit
  • Fehlendes Zeitgefühl
  • Hohe Konzentration
  • Spannungsabfall

Diskussion

Der Flow hat einen motivierenden Aspekt und wir wünschen uns, diesen Zustand zu erlangen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Zeit sehr schnell vorbei zieht und man sich in einem Rausch fühlt. Das Flow-Erlebnis ist eine Motivation, wieder etwas zu tun, was uns erneut in den Flow bringt.

Es ist zwar schön, wenn nach Heraklit “alles fließt”, aber nicht, wenn zum Beispiel “alles den Bach herunter fließt”. Für unsere Gesellschaft ist es bedeutend, dass die vorhandenen Energien und Ressourcen positiv eingesetzt werden.

Quellen

  1. E. Martens: Gut leben, Fragen zur Ethik, Bayerischer Schulbuchverlag, München 2002 (Kapitel 2.4)
  2. M. Csikszentmihalyi: Flow - der Weg zum Glück, Herder-Verlag, Freising 2010

Ausgearbeitet 2012.